Bushido  ::  Samurai  ::  Zen

Bushidō
 
Bushido (jap.
武士道, dt. Weg des Kriegers), ist eine Lebensphilosophie der alten Samurai aus Japan. Sie ist eine Weiterentwicklung der Philosophie des Budō, die auf die Tätigkeit und Aufgaben eines Samurai abgestimmt wurde. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der absoluten Loyalität des Samurai bzw. bushi gegenüber seinem Daimyō (Fürst) und der Bereitschaft für diesen und die Werte des Bushidō sein Leben zu lassen. Heutzutage wird diese Loyalität oft als Fanatismus bezeichnet. Die Samurai und der Lebensweg Bushidō waren hoch anerkannt, nicht zuletzt weil die Samurai die höchste Kaste des japanischen Systems zu den verschiedensten Epochen der japanischen Geschichte darstellten. In diesem Zusammenhang verwendet man das Kōhai-Synonym für den Begriff Schüler oder Lernender.

Hintergrund

Für die Samurai war es selbstverständlich, neben dem Kriegshandwerk auch eine Ausbildung in den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Religion und Philosophie zu machen (bunbu ryoodo = die beiden parallelen Wege von der Kunst der literarischen Künste und des Kämpfens). An erster Stelle stand jedoch immer die Loyalität zum Lehnsherrn. Die Samurai entwickelte einen strengen Verhaltenskodex, der u. a. die sieben Tugenden eines Kriegers (Bushi) beinhaltete. Dieser Kodex war die Basis für alle Verhaltensweisen, auch im privaten Bereich. Verstöße gegen diesen Ehrenkodex wurden als unehrenhaft empfunden. Die Scham, gegen den Bushido verstoßen zu haben, führte oft zum rituellen Selbstmord, dem Seppuku.

Die sieben Tugenden

  1. Gi: richtige und ehrenvolle Entscheidungen
  2. Yu: Mut
  3. Jin: Wohlwollen gegenüber allen Menschen
  4. Rei: Respekt
  5. Makoto: Aufrichtigkeit
  6. Meiyo: Ehre
  7. Chugi: Loyalität

Die fünf Hauptforderungen

Die fünf Hauptforderungen des Bushidos, die auch unter dem Begriff Dojokun zusammengefasst werden, waren:

  1. Treue: Treue gegenüber deinem Herrscher und Heimatliebe; Treue und Achtung vor den Eltern; Treue zur dir selbst, Fleiß.
  2. Höflichkeit: Liebe; Bescheidenheit; Etikette.
  3. Tapferkeit: Härte und Kaltblütigkeit; Geduld und Ausdauer; Schlagfertigkeit.
  4. Offenheit und Aufrichtigkeit: Ehrgefühl; Gerechtigkeit.
  5. Einfachheit: Reinheit.

Manche religiös orientierte Schriften ordnen das Bushidō auch in sieben Tugenden, entsprechend den sieben großen Kami des Shintoismus: Ehrlichkeit, Mut, Mitgefühl, Höflichkeit, Ehrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Pflichtbewusstsein.

Aus der Philosophie des Bushidō gingen alle Kampfkünste hervor, die mit den Waffen der Samurai ausgeführt werden. Dazu gehören: Kendō, Kyūdō, Naginatadō, Iaido.

Bushido heute

Bushido hat heute noch seine Bedeutung in den traditionellen japanischen Kampfsportarten. In der sportlichen Auseinandersetzung ist der Gegner deshalb nicht als Feind zu betrachten. Er soll vielmehr als Freund gesehen werden, der es einem ermöglicht, seine eigenen Fähigkeiten zu testen.

 

Samurai

  Satsuma-Samurai, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Fotografie von Felice Beato Satsuma-Samurai, 2. Hälfte 19. Jahrhundert 

Samurai ist die übliche Bezeichnung für ein Mitglied des Schwertadels im vorindustriellen Japan. Eine weitere Bezeichnung, die während der Edo-Periode gebräuchlich war, ist bushi (wörtlich: „Krieger“). Heute wird Samurai ausschließlich für den Kriegeradel verwendet und nicht beispielsweise für ashigaru (wörtlich: „leichte Füße“; gemeint sind leichtgerüstete Fußsoldaten). Ein herrenloser Samurai, der keinem Daimyō (Lehnsherren) diente, wurde Rōnin („Wellenmann“) genannt.

Etymologie

Der Ursprung des Wortes Samurai liegt im Japan der Vor-Heian-Periode. Es wurde saburai ausgesprochen und bedeutet „Diener“ oder „Begleiter“. Erst in der frühen Moderne, namentlich in der Azuchi-Momoyama-Periode und der frühen Edo-Periode des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, bürgerte sich das Wort samurai an Stelle von saburai ein. Die Bedeutung hatte sich allerdings bereits lange Zeit vorher gewandelt. Der Begriff Samurai wird aber auch vom japanischen Verb samuro abgeleitet, was ins Deutsche übersetzt dienen bedeutet. Samurai bedeutet also Dienender.

Die Waffen der Samurai

Helm und Brustpanzer
Helm und Brustpanzer
Wakizashi-Schwert der Edo-Periode, 19. Jahrhundert
Wakizashi-Schwert der Edo-Periode, 19. Jahrhundert

Hauptwaffe der Samurai war ein Schwertpaar (Daishō), von denen es eines für den Frieden und eines für den Krieg gab. Das Schwertpaar für den Frieden bestand aus dem langen Katana und dem kurzen Wakizashi bzw Kotetsu, das Schwertpaar für den Krieg bestand aus dem langen Tachi und dem kurzen Tantō. Im Gegensatz zu den meist geraden Schwertern der europäischen Ritter war das japanische Schwert leicht gebogen und mehr wie ein Säbel für den Schnitt als für den Hieb ausgelegt. Es war rasierklingenscharf, Vorder- und Rückseite unterschiedlich gehärtet. Dies erforderte eine besondere Handhabung im Kampf. Mit dem weicheren Rücken und den Seiten konnten Schläge pariert werden. Ein Treffer mit der Schneide verursachte tiefe, entscheidende Wunden. Wie auch beim europäischen Adel des Mittelalters wurde der Verzierung des Schwertes und der Schwertscheide große Bedeutung zugemessen.

Eine andere Waffe der Samurai war der Yumi (Bogen), insbesondere der Dai-kyū (Langbogen), welcher wegen seiner enormen Größe, seiner gewaltigen Reichweite und seiner großen Durchschlagskraft gefürchtet war. Ein geübter Schütze konnte aus etwa 150 Metern Entfernung ein bewegliches Objekt von der Größe eines Hundes sicher treffen, aber auch Reichweiten von etwa 300 Metern waren möglich. Seine asymmetrische Form machte es zudem möglich, ihn auch vom Pferderücken aus abzufeuern, was ihn als Reiterwaffe gefürchtet machte.

Auch zwei Lanzen gehörten zur Ausrüstung eines Samurai: Die Klinge der Schwertlanze Naginata war lang und leicht gebogen, der Yari hatte eine relativ lange dolchartige Spitze und war beidseitig geschliffen.

Die japanischen Waffen leiten sich von Vorbildern vom Festland ab, entwickelten sich aber relativ unabhängig: Die ersten, geraden Schwerter wurden allmählich einschneidig und gebogen, die Bögen asymmetrisch und sehr lang.

Bis in die Ashikaga-Zeit im 14. Jhdt. war der Bogen die Hauptwaffe. Selbst zu Beginn der Einführung von Handfeuerwaffen durch die Portugiesen Mitte des 16. Jhdts. war der Langbogen diesen in Anwendung, Zielsicherheit und sogar Reichweite überlegen. Schwerter kamen erst zum Einsatz, nachdem alle Pfeile verschossen waren. Der Kampf lief als Duell ab, indem der Krieger seinen Namen laut rufend aus der Formation hervortrat, um sich einem ebenbürtigen Gegner zu stellen. Schlachten in geschlossenen Formationen mit massiver Verwendung der Lanze (yari-ashigaru) traten erst im Sengoku Jidai, dem Zeitalter der streitenden Reiche Ende des 15. bis Ende des 16. Jhdts., auf. Die Muskete drängte wie in Europa allmählich die Blankwaffen durch ihre Kostengünstigkeit und einfache Handhabung zurück.

Geschichte

Ursprung der Samurai

Die Armeen des Kaisers bestanden ursprünglich aus Wehrpflichtigen, die im Kriegs- oder Rebellionsfall den entsprechenden Provinzen Japans zugeordnet wurden. Sie waren nach dem Vorbild chinesischer Armeen aufgebaut und bestanden aus einem Drittel der kampffähigen erwachsenen männlichen Bevölkerung. Jeder Soldat musste für seine Waffen und Versorgung selbst aufkommen.

Mit den Taika-Reformen von 645 und dem Taihō-Kodex von 702, aufgrund deren eine Landreform durchgeführt und ein einheitliches Steuersystem eingeführt wurde, begann die Entwicklung mächtiger Clans und damit des Schwertadels. Zu den Steuern gehörten auch Fron- und Militärdienst. Kleinbauern, die sich ihrer Steuern und besonders des Wehrdienstes entledigen wollten, verschenkten ihr Land an Institutionen wie Klöster oder an Adlige und pachteten es von ihren neuen Herren wieder zurück. Eine symbiotische Gemeinschaft von Großbauern und Gefolgschaft, Herr und Diener (Shujū) entstand. Diese Methode wurde Kishin (Schenkung) genannt. Durch die Kishin-Methode (die seit der Nara-Zeit unter Strafe stand, was jedoch keinen Erfolg zeigte) brach das ohnehin schwer zu verwaltende und ineffektive System der Wehrpflicht jedoch zusammen.

Während der frühen Heian-Periode, also im späten 8. und frühen 9. Jahrhundert, strebte Kaiser Kammu (737-806) nach einer Konsolidierung und Expansion seines Reiches in der nördlichen Honshū-Region. Er sandte seine Armeen aus, um die im Norden noch nach den alten Traditionen der Yayoi-Zeit lebenden Emishi zu unterwerfen, und führte den Titel des Shōgun ein, wobei er sich bei der Unterwerfung der Emishi auf die starken regionalen Clans verließ.

Im Krieg gegen die Emishi ab 780 erwiesen sich die Wehrpflichtigen aber als schlechte Kämpfer – die stärksten militärischen Einheiten waren die berittenen Eliteoffiziere. Daraufhin wurde 792 die Wehrpflicht abgeschafft und die Armee auf ein Freiwilligenheer umgestellt. Dieses war jedoch nicht mehr in der Lage, die Sicherheit im ganzen Land aufrecht zu erhalten. Besonders in den entlegenen Provinzen verschlechterte sich die Situation, so dass die lokalen Großbauern dort letztlich selbst für ihre Verteidigung sorgen mussten. Sie waren dabei so erfolgreich, dass sich einige Familien im Laufe der Zeit darauf spezialisierten, militärische Aufträge vom Kaiserhaus durchzuführen – der Schwertadel (Buke) war geboren. Dabei spielten Prinzen, die ihr Glück in der Provinz suchten, eine besondere Rolle: Die Taira, Minamoto etc. haben alle kaiserliche Vorfahren.

Während der Heian-Zeit (794-1192) bezog sich saburai vor allem auf die Wachen des kaiserlichen Palastes und die Schwertträger. Diese Vorläufer der klassischen Samurai wurden vom Herrscher ausgestattet. Ihnen war vorgeschrieben, fortwährend ihre Beherrschung der Kampfkunst zu verbessern.

Da zu Beginn der größte Vorteil dieser militärischen Einheiten in ihrer Erfahrenheit im Gebirgskampf und vor allem im Bogenschießen lag, blieb für den größten Teil der folgenden Feudalperiode, der Ära der Samurai-Herrschaft, der Ausdruck Yumitori (Bogenschütze) der Ehrentitel eines ausgezeichneten Kriegers, selbst als der Schwertkampf die größere Wichtigkeit erlangt hatte.

Privilegien

Die Samurai genossen viele Privilegien. So wurden diesen Kriegern spezielle Rechte zugesprochen. -Sie durften zwei Schwerter tragen - ein langes und ein kurzes. Gewöhnliche Bürger durften überhaupt keine Waffen tragen. -Es gab sogar Zeiten, als ein Samurai das Recht hatte, einen gewöhnlichen Bürger zu enthaupten, wenn ihn dieser beleidigte.

Aufstieg der Samurai

  Samurai in voller Bewaffnung 1860 Samurai in voller Bewaffnung 1860

Ursprünglich waren die Samurai also nur Soldaten im Dienste des Kaisers und der Adelsstämme. Im Laufe der Zeit sammelten sie jedoch genügend Einfluss, um die Macht des Kaisers an sich zu reißen und die erste Samurai-dominierte Regierung zu bilden.

Während die regionalen Daimyō sich zusammenschlossen und Arbeitskraft sowie Ressourcen sammelten, formten sie eine auf den tōryō (Anführer) ausgerichtete Hierarchie. Dieser tōryō war entweder ein entfernter Verwandter des Kaisers oder ein rangniedrigeres Mitglied einer der drei Adelsfamilien, der Fujiwara, der Minamoto oder der Taira. Obwohl die tōryō ursprünglich nur auf vier Jahre befristet als Magistraten in die Provinzen entsandt worden waren, entschlossen sie sich zu bleiben, wohl wissend dass sie nach ihrer Rückkehr nur Nebenrollen in der Regierung spielen würden. Ihre Söhne erbten ihre Positionen und führten von der Mitte bis zum Ende der Heian-Periode die regionalen Daimyō weiter beim Niederschlagen der Rebellionen in ganz Japan an.

Wegen ihrer militärischen und ökonomischen Stärke entwickelten sich die Daimyō zu einem neuen Machtfaktor in der Politik am Kaiserhof. Ihre Beteiligung an der Hōgen-Rebellion gegen Ende der Heian-Periode trug noch zur Konsolidierung ihrer Macht bei. Während der Heiji-Rebellion 1160 kam es zum Kampf der rivalisierenden Minamoto und Taira. Der siegreich aus der Rebellion hervorgehende Taira no Kiyomori (1118-1181) wurde als erster Krieger, der eine solche Position erreichte, kaiserlicher Berater und übernahm schließlich die Kontrolle über den Staat. Auf diese Weise bildete er die erste Samurai-dominierte Regierung und reduzierte den Kaiser auf eine bloße Symbolfigur.

Japan der Feudalzeit

Ein erneuter Zusammenstoß zwischen den Taira und den Minamoto 1180 führte zum Gempei-Krieg, der bis 1185 dauerte. Der siegreiche Minamoto no Yoritomo (1147-1199) ging 1190 nach Kyōto und wurde zum Seii-Tai-Shōgun ernannt (wie der Titel Shōgun in voller Länge heißt). Er begründete das Kamakura-Shōgunat (1192-1333).

Im Laufe der Zeit wurden mächtige Samurai-Daimyō zu Kriegsadeligen (buke), die nur nominal der Aristokratie des Hofes (Kuge) unterstanden. Während die Samurai höfische Sitten wie Kalligraphie, Dichtkunst und Musik übernahmen, wurden im Gegenzug von den kuge auch Samurai-Fähigkeiten übernommen. Trotz verschiedener Intrigen und kurzer Perioden unter der Herrschaft diverser Kaiser lag die wahre Macht in den Händen der Shōgune und Krieger.

Während der Sengoku Jidai („Periode der Krieg führenden Provinzen“, 1467-1568) war das japanische Kastensystem noch so flexibel, dass sich auch Männer aus niederen sozialen Klassen als Krieger einen Namen machen und Samurai oder Samurai zu Daimyō werden konnten (auch wenn ein formaler Bushidō-Status bei 150 gleichzeitig um Einfluss kämpfenden Kriegsherren kaum einen Wert besaß). Dies änderte sich, als Toyotomi Hideyoshi (1536-1598), selbst Sohn eines Fußsoldaten, nach einem furiosen Aufstieg Erster Minister (Kampaku) wurde. Er erließ 1586 ein Gesetz, das die Zugehörigkeit zum Samurai-Stand als permanent und erblich festschrieb und Nicht-Samurai verbot, Waffen zu tragen.

  Als Samurai verkleidete Kabuki-Schauspieler (um 1880) Als Samurai verkleidete Kabuki-Schauspieler (um 1880)

Während des Tokugawa-Shogunats beziehungsweise der Edo-Periode (1603-1867) wurden Samurai vermehrt Höflinge, Bürokraten und Administratoren anstelle von Kämpfern und Daishō. In dieser Zeit wurde vermutlich das erste Mal ein Europäer, nämlich William Adams zum Samurai ernannt.

Das Schwertpaar der Samurai (Katana und Wakizashi) wurde mehr ein symbolisches Emblem der Macht denn eine Waffe des täglichen Gebrauchs. Samurai besaßen weiterhin das Recht, jeden Bürger niederzuschlagen, der ihnen nicht den gebührenden Respekt erwies; in welchem Maße von diesem Recht Gebrauch gemacht wurde, ist aber nicht bekannt. Als die Regierung schließlich die Daimyō zwang, die Größe ihrer Armeen zu reduzieren, wurden arbeitslose Rōnin zu einem großen gesellschaftlichen Problem.

Schüler schrieben den Bushidō in seiner schlussendlichen Form während der Tokugawa-Periode fest. Aus dieser Periode stammt auch das berühmteste Buch des kenjutsu, Musashi Miyamotos Das Buch der Fünf Ringe (1643).

Die Ereignisse der 47 herrenlosen Samurai (Rōnin), die den erzwungenen Selbstmord ihres früheren Herrn rächten, führten in der damaligen Gesellschaft zu einem Konflikt zwischen der Kriegerehre und dem durch das Tokugawa-Shogunat erzeugten Rechtssystem. Am Ende wurde den 47 Rōnin befohlen, Seppuku zu begehen (verfilmt in Shijushichinin no shikaku).

Die Meiji-Restauration

  Samurai in historischer Rüstung, ca. 1880 Samurai in historischer Rüstung, ca. 1880

Die letzte Sternstunde der ursprünglichen Samurai kam 1867, als kaisertreue Samurai aus den Provinzen Chōshū und Satsuma die Streitkräfte des Shogunates bezwangen. Kaiser Meiji (eigentlich Mutsuhito, 1852-1912) hob den Samurai-Status jedoch zugunsten einer moderneren, westlich orientierten Armee auf und behielt lediglich das Katana für Offiziere bei. 1871 wurde den Samurai das Tragen ihrer traditionellen Tracht mit den zwei Schwertern in der Öffentlichkeit untersagt, ihnen die Privilegien entzogen. Die Samurai führten mehrere Kriege gegen den Kaiser an, die Samurai hielten aber den Krieg nicht als Krieg gegen den Kaiser, sondern als Krieg für den Kaiser. Die letzte Erhebung von mit der neuen Ordnung unzufriedenen Samurai wurde 1876/77 (Satsuma-Rebellion) von der neuen japanischen Wehrpflichtigen-Armee blutig unterdrückt. Der Film The Last Samurai greift dieses Motiv auf, nimmt sich aber große erzählerische Freiheiten.

Noch im Zweiten Weltkrieg beeinflußten einige Gedanken des Bushidō das Handeln der japanischen Soldaten. Viele Blutlinien der Samurai, wie das Haus Honda, haben in der japanischen Wirtschaft und Politik auch heute noch großen Einfluss.
 

Literatur

  • Inazo Nitobe: Bushido. Die Seele Japans. Erweiterte Ausgabe. Angkor Verlag, 2003. ISBN 3-936018-16-2
  • Miyamoto Musashi: Das Buch der fünf Ringe. Econ Verlag, 1999, ISBN 3-430-16967-4
  • Tsunetomo Yamamoto: Hagakure. Der Weg des Samurai. Kabel-Verlag 2003, ISBN 3-822-50644-3 Hagakure sind Aufzeichnungen der Aussagen eines ehemaligen Samurais, gemacht von einem jungen Samurai.
  • Yukio Mishima: Zu einer Ethik der Tat. Einführung in das Hagakure, die Samurailehre des 18. Jahrhunderts . Hanser-Verlag, München 1996, ISBN 3-446-14516-8
  • Wolfgang Schwentker: Die Samurai. Verlag C.H. Beck, 2003, ISBN 3-406-47988-X

 

Zen

Zen-Buddhismus oder Zen (jap.: – Zen) ist eine in China ab dem 5. Jahrhundert nach Christus entstandene Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Der chinesische Name (Chan) stammt von dem Sanskritwort Dhyana, das in das Chinesische als 禅那 (Chan'na) übertragen wurde. Dhyana bedeutet frei übersetzt soviel wie „Versenkung“. Der Chan Buddhismus wurde dann in Ostasien und Südostasien durch Mönche verbreitet. Es entstand daraufhin eine koreanische (Seon, korean. ) und vietnamesische (Thiền) Tradition.

Ab dem 12. Jahrhundert gelangte Zen auch nach Japan und erhielt dort eine neue Ausprägung, die dann in der Neuzeit auch in den Westen gelangte. Die verwendeten Begriffe zum Zen stammen daher meistens aus dem Japanischen. Aber auch koreanische, vietnamesische und chinesische Schulen haben in jüngerer Zeit den Weg in den Westen gefunden.

Definition

Zen lässt sich durch diskursive Begriffserläuterungen nicht zufriedenstellend fassen, da es sich ausschließlich durch individuelle Einsicht erschließt. Der Versuch einer enzyklopädischen Definition stößt damit an eine prinzipielle Grenze.

Eine Frau fragte: „Was ist Zen?“ Ein alter chinesischer Meister antwortete: „Das Herz des Fragenden ist Zen.“ (Zen-Koan)

Allgemein lässt sich sagen, dass Zen eine Einsicht jenseits der Vernunft bezeichnet, die mit der jeweils persönlichen Lebensweise und -haltung eines Menschen eng verbunden ist. Die Wurzeln des Zen liegen zwar im Buddhismus, doch ist es nach Meinung vieler Zen-Meister nicht an eine bestimmte Religion oder Weltanschauung gebunden. Der Kern des Zen übersteigt – wie es mystischen Bewegungen eigen ist – alle religiösen und philosophischen Systeme.

Jeder Mensch kennt „Zen-Momente“. Es sind Augenblicke wie etwa die völlige Versenkung in eine spannende Tätigkeit, das Aufgehen in einer Menschenmasse (z.B. in einer Festgemeinschaft) oder das gänzliche Aufgesogensein durch eine Wahrnehmung (z.B. während des Hörens von Musik). Die westliche Psychologie spricht vom Flow-Erlebnis, doch fehlt in diesem Konzept noch das Moment der aufmerksamen (Selbst-) Beobachtung.

Zen kann man als „Ewigkeit des Augenblicks“ verstehen: In der Konzentration des Meditierenden verlieren die Konstruktionen von Vergangenheit und Zukunft ihren Einfluss auf den Geist. In dieser Zeitlosigkeit gibt es kein „Ich“ mehr. Zen ist Nicht-(ich)-Sein. Die Aufmerksamkeit wird gänzlich auf den Augenblick fokussiert, in dem das Bewusstsein „aufgeht“.

Lehre

Oft wird gesagt, dass Zen „nichts“ biete: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten. In einem Koan spricht der Zen-Meister Ikkyû Sôjun zu einem Verzweifelten:

„Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“

Zen bietet tatsächlich in dem Sinne „überhaupt nichts“, als dass es einfach nur das Gewöhnlichste, Alltäglichste und Normalste der Welt ist. Es bedeutet, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten von allem ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiere. Die permanente Beschäftigung mit sich selbst, die schützende Ich-Bezogenheit jedes einzelnen verursacht immer wieder nur neues Leiden (Dukkha). Zen kann diese Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen ist nichts Besonderes. Es hat kein Ziel.

Die Charakterisierung, Zen biete „nichts“, wird gerne von Zen-Meister gegenüber ihren Schülern geäußert, um ihnen die Illusion zu nehmen, Zen biete erwerbbares Wissen oder könne etwas „Nützliches“ sein. Auf einer anderen Ebene wird hingegen auch das Gegenteil behauptet: Zen biete das „ganze Universum“, da es die Aufhebung der Trennung von Innenwelt und Außenwelt, also „alles“, beinhalte.

Auch wenn Intellektuelle und Wissenschaftler sich oftmals von Zen angezogen fühlen, entzieht es sich der "Vernunft". Zen wird oft als „irrational“ empfunden, auch weil es sich grundsätzlich jeder begrifflichen Bestimmung widersetzt. Das scheinbar Mysteriöse des Zen rührt jedoch allein aus den Paradoxa, die der Versuch des Sprechens über Zen hervorbringt.

Natürlich besitzt Zen aber auch philosophisch-religiöse Aspekte und historisch gewachsene Lehren, wie etwa in der Sōtō- bzw. Rinzai-Richtung. Diese kann man – wenn sie auch zur subjektiven Erfahrung des Zen nicht unbedingt notwendig sind – selbstverständlich mit Worten beschreiben.

Praxis

Primat der Praxis

Zen ist der weglose Weg, das torlose Tor. Die dem Zen zugrundeliegende große Weisheit (Prajna) braucht nicht gesucht zu werden, sie ist immer schon da. Vermöchten die Suchenden einfach nur ihre permanenten Anstrengungen aufzugeben, die Illusion der Existenz eines „Ich“ aufrechtzuerhalten, würde sich Prajna unmittelbar einstellen.

Realistisch gesehen ist das Beschreiten des Zen-Wegs jedoch eines der schwierigeren Dinge, die in einem menschlichen Leben unternommen werden können. Den Schülern wird die Bereitschaft zur Aufgabe ihres selbstbezogenen Denkens und letztlich des Selbst abverlangt. So dauert der Übungsweg gewöhnlich mehrere Jahre, bevor die ersten Schwierigkeiten überwunden sind. Der Weg ist allerdings stets zugleich auch das Ziel, im Üben ist die Erfüllung stets gegenwärtig.

Primäre Aufgabe des Zen-Schülers ist die fortgesetzte, vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, eine vollständige Achtsamkeit ohne eigene urteilende Beteiligung (Samadhi). Diesen Zustand soll der Zen-Schüler nicht nur während des Zazen, sondern möglichst in jedem Augenblick seines Lebens beibehalten.

„Zen ist nicht etwas Aufregendes, sondern Konzentration auf deine alltäglichen Verrichtungen“ (Shunryu Suzuki)

Auf diese Weise kann sich die Erkenntnis der absoluten Realität einstellen (Satori). Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird aufgehoben; die Kontingenz der eigenen Existenz, das In-die-Welt-geworfen-Sein kann angenommen werden. Vollkommene innere Befreiung ist die Folge: es gibt nichts zu erreichen, nichts zu tun und nichts zu besitzen.

Methoden

Mit der Zeit haben Zen-Meister verschiedene Techniken entwickelt, die den Zen-Schülern Hilfen bieten und Fehlentwicklungen vorbeugen sollen. Die Schulung der Aufmerksamkeit und der absichtslosen Selbstbeobachtung stehen dabei an erster Stelle; daneben wird das (ver)störende diskursive Denken an einen Endpunkt gebracht. Im eigentlichen Sinne gelehrt werden kann Zen nicht. Es können nur die Voraussetzungen für spontane, intuitive Einsichten verbessert werden.

Zu den gebräuchlichen Methoden der Zen-Praxis gehören Zazen (Sitzmeditation), Kinhin (Gehmeditation), Rezitation (Textlesungen), Samu (konzentriertes Tätigsein) und das Arbeiten mit Koans. Besonders intensiv werden diese Methoden während mehrtägiger Übungsperioden oder Klausuren (Sesshin bzw. Retreat) geübt. Der Zen-Schüler muss zumindest das Zazen in sein alltägliches Leben integrieren, denn Zen ist seinem Wesen nach immer nur Praxis.

Ziele

Indem während des Übens die Flut der Gedanken zur Ruhe kommt, wird das Erleben von Stille und Leere, Shunyata, möglich.

Vor allem im Rinzai-Zen wird die mystische Erfahrung der Erleuchtung (Satori, Kenshō), ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit, d.h. die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Gegensatzes, zum zentralen Thema. In diesem Zusammenhang ist oft von „Erwachen“ und „Erleuchtung“ (pali/sanskrit: Bodhi), vom „Buddha-Werden“, oder der Verwirklichung der eigenen „Buddhanatur“ die Rede. Diese Erfahrung der Nicht-Dualität ist der sprachlichen Kommunikation kaum zugänglich und kann auch einer Person ohne vergleichbare Erfahrung nicht vermittelt werden. So ist es im Zen mehr als unüblich, darüber mit einer anderen Person als dem Zen-Lehrer zu sprechen.

Im Sōtō-Zen tritt die Erleuchtungserfahrung völlig in den Hintergrund. Zum zentralen Begriff von Zen-Praxis wird Shikantaza, „einfach nur sitzen“, d.h. die absichtslose, nicht auswählende Aufmerksamkeit des Geistes in Zazen, ohne einem Gedanken zu folgen oder ihn zu verdrängen. Zazen wird im Sōtō also nicht als Mittel zum Zweck der Erleuchtungssuche verstanden, sondern ist selbst Ziel und Endpunkt. Das große Koan des Sōtō-Zen ist die Zazen-Haltung selber. Zur Verwirklichung dieses absichtslosen Sitzens zentral ist Hishiryo, das Nicht-Denken, d.h. das Hinausgehen über das gewöhnliche, kategorisierende Denken. Dōgen schreibt im Shobogenzo Genjokoan dazu folgende Passage:

„Den Weg zu studieren heißt sich selbst zu studieren, sich selbst zu studieren heißt sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet eins zu werden mit allen Existenzen.“

Ethik des Zen

Zen besitzt eine eigene Ethik. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass man anderen nur helfen kann, wenn man sich selbst befreit hat (analog zu den Konsequenzen aus dem christlichen „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“). Die Zuwendung zu anderen Lebewesen in sorgender Liebe (Agape) und Solidarität ist dabei allerdings niemandem – keinem Gott, keinem Buddha, keiner Offenbarung oder Lehre – geschuldet, sondern erwächst aus der inneren Einsicht im Laufe der Zen-Praxis von selbst.

Wenn der Zen-Praktizierende zur Auffassung kommt, dass alles im Kosmos miteinander in Verbindung steht, so bedeutet dies für ihn, dass keine real existierende absolute Grenze zwischen dem einzelnen Übenden und allen anderen Menschen besteht. Hieraus folgt die Überzeugung, dass jede schädigende, aber auch jede helfende Handlung letztlich auf den Verursachenden zurückfällt. Die Ethik des Zen-Buddhismus kann insofern als „pragmatischer Altruismus“ charakterisiert werden.

Da im Zen Dualismen wie gut/böse oder falsch/richtig abgelehnt werden, kann es auch keine allgemein verbindlichen Vorschriften oder Gebote geben, auch wenn sich die Mönche in der Regel freiwillig zu solchen verpflichten (Kai). Die einzige gültige Maxime ist die allgemeine Förderung des Lebens, oder umgekehrt: die Vermeidung des Tötens. Eine große Rolle spielen dabei Mitgefühl und Mitleid mit den Mitwesen. Die Zen-Praxis hat das Wohl aller fühlenden Wesen im Blick, in einem Gelübde heißt es:

„Wie zahlreich auch immer die fühlenden Wesen sein mögen, ich gelobe, sie alle zu retten.“

Im übrigen pflegt Zen eine Situationsethik, die immer nur im real eintretenden, konkreten Fall geistesgegenwärtig entscheidet. Sie bürdet dem Handelnden damit eine große Verantwortung auf. Auch sonst liegt der Schwerpunkt des Handelns in der Interaktion mit anderen Individuen – aber auch ein gesellschaftspolitisches Engagement wird keineswegs abgelehnt. Umfassendes Engagement erscheint allerdings nur auf der Basis der Verwirklichung von Nicht-Selbst gerechtfertigt, also jenseits vom Prinzip Erfolg/Nicht-Erfolg bzw. der Acht Weltgesetze (A. VIII, 6). Im Westen kennt man eher engagierte Zen-Lehrer wie Thich Nhat Hanh, Tetsugen Bernard Glassman Roshi, Claude Anshin Thomas.

Geschichte

Das Zen, wie wir es heute kennen, ist von vielen Kulturen über anderthalb Jahrtausende beeinflusst und bereichert worden. Seine Anfänge sind im China des 6. Jahrhunderts zu suchen, obwohl seine Wurzeln wahrscheinlich weiter zurückreichen und Einflüsse anderer buddhistischer Schulen ebenfalls vorhanden sind. Nachdem Bodhidharma der Legende nach im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Lehre des Meditationsbuddhismus nach China brachte, wo er zum Chan-Buddhismus wurde, sind Elemente des Daoismus und Konfuzianismus/Neokonfuzianismus mit eingeflossen. Viele für Zen typische Elemente der Lehre sind in China entstanden. Eine Vielzahl von Schriften mit Gedichten, Anweisungen, Gesprächen und Koans stammt aus dieser Zeit. Aus diesem Grunde findet man viele Begriffe und Personennamen heute sowohl in chinesischer, als auch in japanischer Aussprache. Die Überbringung der Lehre durch Eisai und Dogen nach Japan im 12. und 13. Jahrhundert hat wiederum Wandlung des Zen beigetragen, durch generelle japanische Einflüsse, aber auch mikkyō und lokale Religionen. Im 19. und besonders im 20. Jahrhundert machten die Zen-Schulen in Japan rasante Veränderungen durch. Dabei wurde von Laien eine neue Form des Zen begründet. Diese erreichte Europa und Amerika und wurde ebenfalls inkulturiert und erweitert. Im 20. Jahrhundert wenden sich selbst einige christliche Mönche und Laien der Meditation und dem Zen zu, wodurch, z.T. getragen durch autorisierte Zen-Lehrer, die dem Christentum verbunden blieben, das sogenannte "Christliche Zen" entsteht.

Ursprung

Der Legende nach soll der historische Buddha Shakyamuni seiner Schülerschar einst eine Blume gezeigt haben, die er zwischen seinen Fingern drehte. Nur sein Schüler Mahakashyapa verstand diese Geste unmittelbar als zentralen Punkt der Lehre Buddhas und lächelte.

Da diese Einsicht des Kashyapa – die im übrigen tatsächlich alles enthält, was Zen ist – nicht schriftlich zu fixieren ist, erfolgt die Übermittlung seitdem persönlich von Lehrer zu Schüler. Man spricht dabei von sogenannten Dharma-Linien (d.h. in etwa: Lehr-Richtungen). Diese besondere Form der Weitergabe wird um das Jahr 1000 folgendermaßen charakterisiert:

Eine Übermittlung außerhalb jeglicher Doktrin,
die sich weder auf Worte noch auf Schriften stützt.
Ein direktes Hinweisen auf des Menschen Herz:
Wer sein eigenes Wesen schaut, ist ein Erwachter (Buddha).

Diese unmittelbare Überlieferung setzte sich der Legende nach fort über 27 indische Meister bis zu Bodhidharma, der die Lehre nach China gebracht haben soll und so zum ersten Patriarchen des Chan wurde (für die weitere Geschichte des chinesischen Meditationsbuddhismus siehe dort).

  1. Bodhidharma ( chin. Damo 達摩, jap. Daruma だるま) * um 440 – † um 528
  2. Huike (慧可, jap. Daiso Eka) *487 – †593
  3. Sengcan (僧燦, jap. Konchi Sosan) * ? – †606
  4. Daoxin (道信, jap. Dai'i Doshin) *580 – †651
  5. Hongren (弘忍, jap. Daiman Konin) *601 – †674
  6. Huineng (慧能, jap. Daikan Eno) *638 – †713

Nach dem 6. Patriarchen teilt sich die Linie in verschiedene Schulen auf. Für das China der Zeit um 950 spricht man von den 5 Häusern:

  • Guiyang (chin. 潙仰) (jap.) Igyō)
  • Linji (臨済) (jap. Rinzai) von Eisai Zenji nach Japan gebracht
  • Caodong (曹洞) (jap. Sōtō) von Dōgen Zenji nach Japan gebracht
  • Yunmen (雲門) (jap. Ummon)
  • Fayan (法眼) (jap. Hōgen)

In der Folge entstanden bis in die Gegenwart weitere Schulen, darunter die drei noch heute existierenden Zen Schulen Japans:

  • Rinzai-shū
  • Sōtō-shū
  • Obaku-shū (benannt nach dem chinesischen Meister Huangbo 黄檗)

und die moderne

  • Sanbô Kyôdan

Japan

Trotz der großen Bedeutung des Zen (Chan) in China und der Regierungsnähe vieler dortiger Klöster, wurde in der Nara-Zeit (710 - 794) keine Zen-Traditionslinie als Schule nach Japan gebracht. Dennoch gab es Einflüsse. Dosho (629-700) baute laut Überlieferung eine Halle für Zen-Meditation, nachdem er 653 nach China gepilgert war. Weil ihn die Kaiserin eingeladen hatte, kam um 810 der chinesische Rinzai-Meister Yikong (jap. Giku) nach Japan. Für ihn wurde ein Kloster gebaut, welches aber kaum Zulauf hatte. Schließlich ging Kakua im Jahr 1171 nach China, um dort Rinzai zu studieren, doch blieb auch diese Unternehmung historisch folgenlos.

Bereits in der Nara-Zeit taucht auch der Begriff Zenji (Zenmeister) in den ersten Schriften auf: Er beschreibt meist von der kaiserlichen Regierung nicht autorisierte, nicht offiziell ordinierte Praktizierende von buddhistischen Ritualen (meist in der bergigen Wildnis asketischer Praktiken, Meditation, Rezitationen usw.). Man glaubte, durch diese Rituale erlangten die Praktizierenden große, aber ambivalente Kräfte.

In der Kamakura-Zeit reiste Myôan Eisai (wahrscheinlich damals Yōsai gesprochen) (1141-1215), ein Mönch der Tendai-Schule, 1168 und 1187 nach China. Nachdem er mehrere Jahre dort Zen studiert hatte, wurden ihm die Ehren eines Zen-Meisters der Oryo-Line des Linji (Rinzai) zuteil. Nachdem er nach Japan zurückgekehrt war, gründete er das erste Rinzai-Kloster in seinem Heimatland. Die spezielle Oryo-Linie des Rinzai-Zen erlosch in Japan allerdings bereits nach einigen Generationen wieder. Eisai betrachtete sich anscheinend selbst nie als Begründer einer neuen buddhistischen Schule in Japan, er betrachtete sich weiterhin dem Tendai zugehörig.

Dōgen Kigen (1200-1253) war ebenfalls Tendai-Mönch. Bereits mit 13 Jahren trat er als Novize in den Orden auf dem Berg Hiei ein und studierte später ab 1217 (zwei Jahre nach Eisais Tod) unter Eisais Dharma-Nachfolger Myōzen. Gemeinsam mit diesem reiste Dōgen nach China und lernte unter Rujing (jap. Tendo Nyojo)(1163-1228). Es wurde später geschrieben, er habe dort sowohl eine ungewöhnlich tiefe Einsicht als auch Erleuchtung erlangt. Über seine Aktivitäten nach der Rückkehr nach Japan 1227 ist wenig bekannt, er übernahm jedoch einige Jahre später einen von der Hauptstadt abgelegenen Tempel (den er später Kōshō-ji nannte und richtete dort eine Meditationshalle nach neustem song-zeitlichen chinesischem Vorbild ein, die ihm mehr und mehr Besucher und Schüler brachte. In seinen Schriften ab dieser Zeit zeigen sich die Besonderheiten seiner Praxis und Lehre: Shikantaza („nur sitzen“), Hishiryo („das dem Denken Unermessliche“), Shoshin Tanza („regelmäßige Übung“) und Shinjin datsuraku („Körper und Geist abstreifen“). Er setzte auch die Praxis des zazen mit der Buddhaschaft gleich. Dōgen bezeichnet in seinen Schriften nur Myōzen (der in China starb) und Rujing als seine "senshi" (früheren Lehrer). Im Jahre 1244 verließ Dōgen den Kōshō-ji und zog auf Einladung einer lokalen Kriegeradels-Familie ins abgechiedene Echizen. Das Kloster, das er dort übernahm und ausbaute, nannte er Eihei-ji. Ausser der Halle für zazen übernahm Dōgen auch andere Bestandteile des Klosteraufbaus und der Mönchsorganisation aus Song-China. Er ordnete nach chinesischem Vorbild Riten für übernatürliche Wesenheiten des Klosters an.

Dass die Gründung neuer buddhistischer Schulen und Gruppen schnell von etablierten Kreisen aus als Häretik betrachtet werden konnte, zeigt das Schicksal der Daruma-shū, die Nōnin (nicht datiert) begründete. Ihr Kloster wurde von sōhei (Mönchskriegern) vernichtet. Einige der versprengten Daruma-Mönche schlossen sich später Dōgen an und standen so in zwei Dharma-Traditionslinien. Unter einigen dieser direkten Schüler Dōgens lernte auch Keizan Jōkin, der als zweiter Patriarch des japanischen Sōtō gilt und den später wichtigsten Kopftempel Sōji-ji gründete.

Sōtō verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten sehr stark, oft indem sie unbesetzte Tempel und Schreine besetzten, lokale kami, Geister und andere Wesenheiten exorzierten oder zum Dharma bekehrten. Von wenigen elitären Mönchen und Klöstern abgesehen, unterschieden sich die Praktiken bald kaum noch von denen anderer buddhistischer Schulen. Verschiedenste übernatürliche Wesenheiten wurden in den Klöstern von der Bevölkerung verehrt, die Mönche führten verschiedene Rituale (zazen, Reizitationen, mikkyō-Praktiken u.ä.) durch, um genze riyaku, diesweltliche Wohltaten, auf die Laien und das Mönchswesen zu übertragen. Auch Bestattungen waren Hauptaufgabe der Klöster. Die Laienunterstützer des Sōtō waren größtenteils der lokale Kriegeradel in entlegeneren Gebieten, aber auch die dortige Bevölkerung. Entsprechend sind die Klöster von lokalen Einflüssen durchdrungen.

Die Stellung der Dharma-Traditionslinie war vermutlich der wichtigste Faktor der Identität der Sōtō-Schule. Wichtige, aus heutiger Sicht zentrale Texte (u.a. Kōan und Dōgens Werk), wurden wie andere Statusobjekte (Roben, shari-Relikte verstorbener Meister, viele Statuen) zunehmend geheimgehalten und nur in direkter Linie weitergegeben. In eigenen Veröffentlichungen der Schule steht, dass heutzutage nur in etwa 30 von rund 15000 Klöstern Trainingszentren für zazen existieren. Zazen wurde während der gesamten Geschichte Japans auch als mächtiges Ritual zur Ansammlung spiritueller Kräfte gesehen: Die drei Bitt-Tempel, an denen Japaner um diesweltliche Wohltaten bitten, gehören zu den wenigen Ausbildungszentren für zazen.

Die Rinzai-Schule breitete sich lange nicht so weit aus wie Sōtō. Sie gedieh im Umfeld der Mächtigen in Kyōtō und Kamakura und stand so der Politik des japanischen mittelalters, besonders dem Kriegeradel der bushi nahe (das System der go-zan, fünf Berge). Diesen bot Rinzai nicht nur Abstand zu den ebenfalls mächtigen etablierten Schulen (Tendai, Shingon und die Nara-Schulen unter Protektion der Fujiwara), sondern auch eine Verbindung ins Reich der Mitte. Rinzai-Studium bedeutete, dass man passive und aktive Meisterschaft im Chinesischen erlangen musste. Außerdem konnten die Regierung und die Adeligen Japans über Rinzai an der damaligen neuesten Kultur vom chinesischen Festland teilhaben, wodurch die japanische Kultur stark beeinflußt wurde. Neben dem Herbeiführen von Wohltaten und Bestattungen für ihre Laienförderer entstand durch die kulturelle Förderung die Assoziation des Rinzai mit einer Reihe verschiedener Disziplinen, die als Wege (Dō) des Zen bekannt wurden:

  • Sadō – der Weg der Teezeremonie (Teeweg)
  • Shodo – der Weg der Schreibkunst
  • Kado – der Weg des Blumenarrangements (auch: Ikebana)
  • Suizen – das kunstvolle Spiel der Shakuhachi-Bambusflöte
  • Zengarten – die Kunst der Gartengestaltung
  • Budo – der Weg des Kriegers, vgl. zu diesen Ansätzen auch das Budo

Als nach der Meiji-Restauration der Buddhismus in Japan kurz verfolgt und von der neuen Politik zugunsten eines renativistischen Shintō als Religion der Machthabenden aufgegeben wurde, waren auch die Zen-Schulen betroffen. In den Zeiten des immer rasanteren gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Wandels kam dershin-bukkyō, der neue Buddhismus, auf, der z.B. sozial tätig wurde. Die Abgeschlossenheit der Klöster lockerte sich ebenfalls, so wurden Laiengruppen in zazen und der Lehre des Zen unterrichtet. Eine Reihe früher Intelektueller der Meiji-Zeit, die nach der Essenz Japans strebten, um das Land dem moderneren Westen gleichrangig oder überlegen zu sehen, schrieb bis heute einflußreiche, aber auch sehr problematische Schriften. So wurde der Buddhismus der Tokugawa-Zeit (1600-1868) meist als dekadent und von der wahren Lehre abgekommen verunglimpft. Um gegen den neuen Shintō als geförderten Nationalglauben zu bestehen, wurde der Buddhismus unter Berücksichtigung der westlichen Buddhismusforschung (zu dieser Zeit hauptsächlich mit einer Rekonstruktion eines "wahren" "Urbuddhismus" beschäftigt, ohne ethnographische Beobachtungen einzubeziehen) neu definiert. Zen dürfte dabei am erfolgreichsten gelten und fand in dieser Gestalt Eingang in die westliche Kultur und Literatur. In Japan selbst haben sich solche Ansichten des Zen nicht so stark durchgesetzt (die meisten jüngeren Japaner wissen nicht, zu welcher buddhistischen Schule sie gehören), wenngleich die orthodoxen Meinungen der Schulen sich in die gleiche Richtung gewandelt haben.

Zen wurde in der Vorkriegszeit mit anderen Begriffen assoziiert, die man heute als ziemlich unwissenschaftliches nihonjinron, Japan-Theorie, einstufen sollte. Hierzu gehört z.B. bushidō, welches als Begriff ebenfalls um die Meiji-Restauration herum auftaucht. Dadurch entstanden jedoch auch Verbindungen zum japanischen Nationalismus und zur ideologischen Propaganda, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch aus Reihen des Zen selbst kritisiert wurden.

Moderne

In der Neuzeit ist die Verbreitung des Zen in Japan zurückgegangen, jedoch wächst die Zahl der Anhänger in den westlichen Ländern. Begünstigt durch fehlenden Dogmatismus gibt es auch Verbindungen zur Katholischen Kirche. Wichtige Vermittler als Priester und gleichzeitig Zen-Meister sind:

  • Pater Hugo Makibi Enomiya-Lassalle SJ (1898-1990) und
  • Pater Willigis Jäger OSB (Ko-un Roshi).

Ein wichtiger zeitgenössischer Dharma-Lehrer ist der Vietnamese Thich Nhat Hanh, der Zen (Mahayana) mit Elementen des Theravada-Buddhismus (Vipassana) verknüpft.

Ein weiterer Vertreter der Sōtō-Schule ist der US-Amerikaner und Vietnamveteran Claude AnShin Thomas. Er hat ein Gelübde als Bettel- und Wandermönch abgelegt und lehrt überall dort, wohin er in der Welt eingeladen wird. Er ist der Gründer der Zaltho Foundation in den USA, einer gemeinnützigen Organisation, die sich insbesondere der Versöhnungsarbeit mit Opfern von Krieg und Gewalt widmet. Schwesterorganisation ist die Zaltho Sangha Deutschland. Claude AnShin Thomas studierte mehrere Jahre bei Thich Nhat Hanh und wurde im Jahre 1995 von Bernhard Tetsugen Glassmann Roshi zum buddhistischen Mönch und Priester in der japanischen Sōtō-Zen-Tradition ordiniert.

Der japanische Zen-Meister Taisen Deshimaru Roshi, Schüler des Sōtō-Zen-Meisters Kodo Sawaki Roshi, kam in den sechziger Jahren nach Frankreich, wo er bis zu seinem Tod (1982) Zen lehrte. Er hinterließ eine große Schülerschaft die bis heute wächst und mit verschieden Zen-Organisationen in ganz Europa vertreten ist. Deshimaru gründete 1970 die Gesellschaft Association Zen Internationale (AZI).

Die Sōtō-Zen Schule wird in Deutschland aktuell vertreten durch Fumon Shoju Nakagawa Roshi und Rev. L. Tenryu Tenbreul, einem ehemaligen Schüler von Taisen Deshimaru. Der Sōtō-Zen Dachverband, das Sōtō-Zen Buddhism Europe Office, wird von Rev. Genshu Imamura geleitet und sitzt in Mailand.

Der japanische Zen-Meister Kyozan Joshu Sasaki, der seit 1962 Zen in den USA lehrt, war seit 1979 regelmäßig nach Österreich gekommen, um dort Vorträge zu halten und Sesshins durchzuführen. Sein Wirken und das seiner Schüler, allen voran die Aufbauarbeit von Genro Seiun Osho in Wien und Süddeutschland, trugen wesentlich zur Etablierung der Rinzai-Zen Schule im deutschen Sprachraum bei. Ein weiteres Standbein des Rinzai-Zen ist das durch den japanischen Zen-Meister Hozumi Gensho Roshi betreute und vom deutschen Zen-Mönch Dorin Genpo Osho geleitete Zen-Zentrum Bodaisan Shoboji in Dinkelscherben, dem einige Zen-Gruppen in Deutschland zugeordnet sind.

Der koreanische Zen-Meister Seung Sahn gründete 1970 in den USA die Kwan Um Zen Schule, die seitdem in den USA und Europa zahlreiche Zentren aufgebaut hat, mit dem europäischen Haupttempel in Paris, dem deutschen in Berlin.

Im Westen gibt es weitere Anhänger und Praxis-Gruppen der chinesischen (Chán; traditionell: ), koreanischen (Seon) und vietnamesischen (Thiền) Tradition.

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